Kirchenväter

Als Kirchenväter gelten frühchristliche Autoren, die in der Antike mit der theologischen Kommentierung der Schriften des Neuen Testaments begannen. Sie schufen damit den Grundstein der christlichen Lehre. Daher verlieh man ihnen den Ehrentitel „Kirchenvater“. Im Mittelalter entstand dann der Kanon der jeweils vier großen lateinischen und vier griechischen Kirchenväter. Im Westen werden damit Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Augustinus Bischof von Hippo und Papst Gregor der Große benannt. Im Osten sind es Athanasius, Bischof  von Alexandrien, Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomos.

Ambrosius (339-397), Sohn eines hohen römischen Verwaltungsbeamten, wurde 374 vom Volk zum Bischof von Mailand gewählt, er verteidigte die Kirche gegen die Ansprüche der Kaiserin Justina und wehrte staatliche Übergriffe auf die Kirche ab. Er beschäftigte sich nicht nur mit der Heiligen Schrift, sondern er dichtete auch Hymnen. Augustinus (354-430) war einer der einflussreichsten Theologen der Kirchengeschichte. Durch sein philosophisches Denken prägte er die westliche Kulturgeschichte entscheidend. Sein bekanntestes Werk sind die autobiografischen „Bekenntnisse“. Hieronymus (347-420) war zuerst Wissenschaftler, bevor er sich zum Priester weihen ließ. Das historisch bedeutendste Werk ist die lateinische Bibelübersetzung (Vulgata). Gregor (um 540-604) wurde 590 zum Papst gewählt. Er baute die kirchliche Armenpflege aus und erneuerte die Liturgie. Durch seine zahlreichen Schriften beeinflusste er die Theologie der folgenden Jahrhunderte.

Basilius (um 330-379) kämpfte sein Leben lang für Frieden und Einheit innerhalb der christlichen Kirche und wandte sich gegen Einmischungen des oströmischen Kaisers in kirchliche Angelegenheiten. Mit der Ausarbeitung der Lehre von der Dreifaltigkeit prägte er die Theologie des 4. Jahrhunderts entscheidend. Gregor von Nazianz (329-390) verband eine lebenslange Freundschaft zu Basilius. Er liebte das zurückgezogene Leben. Johannes von Antiochia (um 350-407) erhielt den Beinamen „Chrysostomos“ (Goldmund) weil er ein begnadeter Prediger war. Von keinem Kirchenvater sind so viele theologische Werke erhalten wie von ihm. Athanasius der Große (um 295-373) war ein Hauptverteidiger des Glaubensbekenntnisses, das beim Konzil von Nizäa festgeschrieben wurde.  Außerdem war er ein Vorkämpfer gegen die Lehre des Arius, der die Wesensgleichheit Christi mit dem Vater leugnete. Deshalb musste er mehrfach in die Verbannung gehen.

In der orthodoxen Kirche sind die Kirchenväter heute noch von größerer Bedeutung als in der katholischen Kirche. In den evangelischen Kirchen haben Kirchenväter keine besondere Autorität, die sie über andere bedeutende Theologen erheben würde. Kirchenväter sind immer wieder Gegenstand der

Darstellungen in der Kunst. Sie spielen besonders in der Zeit der Gegenreformation auch bildnerisch eine besondere Rolle. Die Ausstellung in der Kleinen Galerie zeigt einige Beispiele des 17. Jahrhunderts aus den Beständen des Museums.